SONNENSCHUTZ: HÄUFIGE IRRTÜMER

SOMMER, SONNE, SONNENSCHUTZ: HÄUFIGE IRRTÜMER BEI SONNENSCHUTZ VOD DERMATOLOGIN DR. MED. BÄRBEL GREVE ERKLÄRT:

Für Experten mag es sonnenklar sein, dass das Vorbräunen im Solarium oder auch die Anwendung von Selbstbräuner keinen Sonnenbrand verhindern kann. Im Zusammenhang mit Sonnenschutz kursieren viele ähnliche Irrtümer, die einer fachlichen Klarstellung bedürfen und nicht abgetan werden sollten. Wissenschaftliche Daten helfen dabei, mit den populärsten Mythen aufzuräumen. Wir vom Dermakos haben Sie zusammengestellt. In einer kleinen Serie möchten wir Sie Woche für Woche informieren und Sie so auf die sonnenreichen Monate des Jahres vorbereiten.

 

Irrtum Nr. 1: Vorbräunen im Solarium schützt vor Sonnenbrand

Ein Solariumbesuch stimuliert die Melaninbildung und bräunt die Haut. Die Schutzleistung der entstandenen Bräune reicht bei weitem nicht aus, um die hohen UV-Dosen abzuwehren, die man in der Badi, am See oder beim Strandurlaub ausgesetzt ist. Und noch mehr: Der regelmässige Besuch von Solarien vor dem 30 Lebensjahr kann das Risiko an einem Melanom zu erkranken, erheblich erhöhen. Neben einer Erhöhung der Hautkrebsrate, führt der Solariumbesuch auch zu einer vorzeitigen Hautalterung.

Fazit: Solariumbräune schützt auf keinen Fall vor Sonnenbrand, sondern erhöht das Hautkrebsrisiko.

 

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Irrtum Nr. 2: Die Sonnencreme vom Vorjahr wirkt nicht mehr

Die Haltbarkeit von Arzneimitteln und Kosmetika ist grundsätzlich begrenzt. Bei der Entwicklung dieser Produkte werden vom Hersteller umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, die über die Haltbarkeit Auskunft geben. Die Anforderungen an Arzneimittel sind behördlich geregelt, die Anforderungen an Kosmetika, worunter in Europa die Sonnenschutzprodukte zählen, sind ebenfalls definiert und liegen als Empfehlung vor. Es stimmt, dass sich durch unsachgemässe Lagerung ein Sonnenschutzpräparat verändert kann. Eine Emulsion oder ein Gel kann brechen, der Geruch kann sich verändern oder auch die Schutzleistung verringern. Sonnenschutzprodukte, die nicht mindestens eine Haltbarkeit von drei Jahren ausweisen, kommen nicht auf den Markt. Wichtig ist auch zu beachten, wie lange ein solches Produkt nach dem Öffnen haltbar ist, dies signalisiert häufig ein kleiner Topf mit offenem Deckel auf der Präparaterückseite.

In Europa werden Sonnschutzpräparate allerdings häufig sehr „gequält“. Sie werden im Auto oder am Strand Temperaturen ausgesetzt, die weit über 50 Grad betragen, im Winter können Sie sogar einfrieren. Solchen Umständen können tatsächlich zur Beeinträchtigung der Stabilität führen.

Fazit: Bei morderater Klimabelastung kann ein Sonnenschutzprodukt im nächsten Jahr sicher wieder verwendet werden. Produkte, die kein Verfallsdatum angeben, sollten grundsätzlich nicht gekauft werden.

 

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Irrtum 3: Wasserfester Sonnenschutz kann Wasser nichts anhaben

International standardisierte Testanordnungen bestimmen die Wasserfestigkeit. Ein Sonnenschutzpräparat gilt als wasserfest, wenn nach zwei 20 minütigen Badedurchgängen mindestens 50% der deklarierten Schutzleistung erhalten bleibt. Dazwischen werden die Probanden „luftgetrocknet“, sie trockenen sich nicht mit einem Handtuch ab! Bei Extra-wasserfest muss das Ergebnis auch nach vier Durchgängen erhalten bleiben.

Es ist davon auszugehen, dass dies nicht ganz dem alltäglichem Usus entspricht, trocknet man sich doch nach dem Baden ab oder wischt sich den Schweiss ab. Durch diese Massnahme werden natürlich zusätzlich signifikante Mengen des Sonnschutzproduktes entfernt.

Fazit: Nach Wasserkontakt oder übermässigen Schwitzen sollte generell das Sonnenschutzprodukt erneut aufgetragen werden. Die produktspezifische Schutzleistung (also die Aufenthaltsdauer in der Sonne) verlängert sich dadurch allerdings nicht.

 

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Irrtum Nr. 4: Sprays schützen schlechter als Cremes

Die Konsistenz eines Sonnenschutzproduktes sagt nichts über die Schutzwirkung aus. Sprays und Cremes entfalten dieselbe Schutzwirkung, solange sie richtig angewendet werden. Bei Sprays hat man als Anwender die Verteilung und Dosierung allerdings etwas weniger gut unter Kontrolle. Ein Spray erfordert ebenso ein Verstreichen des Produktes auf der Haut!

Fazit: die Schutzleistung eines Sonnenschutzpräparates ist grundsätzlich unabhängig von seiner Konsistenz.

 

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Irrtum Nr. 5: Selbstbräuner schützen die Haut vor UV Strahlen

Selbstbräuner enthalten den Wirkstoff Dihydroxyaceton, der durch eine chemische Reaktion die oberste Schicht der Haut braun färbt. Dihydroxyaceton hat eine eigene Schutzwirkung von SPF<3, ebenso wie die braun gefärbte Haut. Allerdings sind diese zwei Mechanismen zusammen so ungenügend, dass ein effizienter Sonnenschutz nicht zustande kommt. Es gibt sogar Forschergruppen, die Hinweise gefunden haben, dass der o.g. Stoff die Bildung freier Radikale fördert und somit toxisch sein kann.

Fazit: Selbstbräuner haben eine völlig ungenügende Schutzleistung und ihr Einsatz als Sonnschutz ist nicht gerechtfertigt.

 

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Irrtum Nr. 6: Tomaten und Schokolade schützen vor Sonnenbrand

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob es die Möglichkeit gibt, Sonnenschutzfilter oral zu verabreichen.

Forschungsgruppen in Deutschland konnten in wissenschaftlichen Arbeiten zeigen, dass eine über mehrere Wochen andauernde Diät mit Tomatenpaste (40g Tomatenpaste in 10g Olivenöl tgl. oder 18g Schokoladenpulver in 100 ml heissem Wasser tgl.) die Schutzleistung der Haut nur minim erhöhen und den von aussen zugeführten Sonnenschutz nicht ersetzen kann.

Fazit: Aufgrund der Datenlage sollten man sich auf keinen Fall Nahrungsergänzungsmittel oder ähnliche Produkte kaufen, die versprechen, den Sonnenschutz zu ersetzen.

 

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Irrtum Nr. 7: Gegen Sonnenallergie kann man nichts machen

Streng wissenschaftlich gesehen, ist die Sonnenallergie keine Allergie. 20% der Bevölkerung leiden darunter. Die „polymorphe Lichtdermatose“ wird durch starke Sonneneinstrahlung induziert und zeichnet sich durch Pickel, Bläschen und Pusteln in Verbindung mit Juckreiz aus. Als Auslöser gelten freie Radikale und oxidativer Stress.

Fazit: Die wichtigste Massnahme ist die korrekte Anwendung eines Sonnenschutzmittel mit UVA und UVB Schutz. Zudem sollte die allseits bekannten „Sonnschutzregeln“ korrekt eingehalten werden.

 

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Irrtum Nr. 8: Hohe Sonnschutzfaktoren werden nur im Sommer benötigt

Die Schutzleistung eines Sonnenschutzpräparates ist auf der Packung mit SPF oder SSF oder LSF angegeben. Die Werte  beziehen sich allerdings nur auf die UVB Strahlen. Der Sonnenschutzfaktor ist der Quotient aus Erythemschwelle mit und ohne Sonnenschutz. Misst man die Reduktion der UVB Strahlung durch Lichtschutzfaktoren, so steigt die Kurve von 0 bis 30 SPF steil an (96.7%), um sich dann bei einem SPF von 50 bei etwa 98% und bei einem SPF von 80 bei rund 98,7% einzupendeln (siehe Tabelle). Im Jahr 2006 wurde dem Rechnung getragen und die Deklaration angepasst. Zum einen beschränkt sich der SPF nun auf die in der SPF-Klassifizierungstabelle genannten Zahlen  (6, 10, 15, 30 und 50 und 50 plus), zudem erfolgt die Einteilung in folgende Produktkategorie:

  • Sehr hoher Schutz SPF 50 plus
  • Hoher Schutz:  30-50 SPF
  • mittlerer Schutz: 15-25 SPF
  • Basisschutz: 6-10 SPF

Fazit: Bei der Planung von Aktivitäten im Freien, sollte man die Aufenthaltsdauer und den aktuellen UV Index unabhängig von der Jahreszeit berücksichtigen. Bei Menschen, die zu einer Risikogruppe (heller Hauttyp, Hautkrebspatienten,  Immunsupprimierte) gehören, ist ein täglicher, hoher Sonnenschutz angezeigt (unabhängig von der Aufenthaltsdauer im Freien, der  Jahreszeit und dem UV Index).

Lichtschutzfaktor (LSF) Schutz in [%] Produktkategorie
6 83,3 Basis
10 90  Basis
15  93,3  mittel
20 95 mittel
25 96 mittel
30 96,7 hoch
50 98 hoch
50+ 98,7 sehr hoch

 

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Irrtum Nr: 9: Textilien schützen vor Sonnenbrand

Durch ein helles Baumwoll T-Shirt gelangen ca. 10-20% der UV Strahlung direkt auf die Haut. Die Durchlässigkeit erhöht sich im feuchten Zustand sogar um 50%. Wie gut Kleidung vor den UV Strahlen schützen, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind hier die chemische Natur der Faser, die Farbe und vor allem die Webart. Je dichter und je dunkler ein Stoff ist, umso besser ist sein UV Schutz. Die verschiedene Standards (Europa, Australien, USA) stellen leider nicht dieselben Anforderungen an den UPF („ultraviolet protection factor“), deshalb sind die Kleidungsstücke nicht miteinander vergleichbar.

Fazit: Das Tragen von Textilien ersetzt nicht die Anwendung eines Sonnenschutzproduktes und ist kein Ersatz für einen vernünftigen Umgang mit der Sonne.

 

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Irrtum Nr. 10: UVA Strahlung schadet nicht

Im Gegensatz zu der Auffassung vergangener Jahre, muss festgehalten werden, dass auch UVA Strahlung krebserzeugende Eigenschaften besitzt. Es ist also sinnvoll, sich auch gegenüber UVA Strahlung zu schützen. Eine einheitliche Testmethode gibt es für UVA Strahlung (im Gegensatz zu UVB Strahlung) allerdings bis heute nicht.

In Europa wird der UVA Schutz nach der COLIPA Methode bestimmt und sagt aus, dass er mindestens ein Drittel des ausgewiesenen UVB-Lichtschutzfaktors beträgt. Dies wird durch eine Logo signalisiert, welches auf den Sonnenschutzprodukten dem Käufer den UVA Schutz signalisiert (kleiner Kreis mit mittigem UVA Schriftzug).

Fazit: Um einen effektiven und umfassenden Sonnenschutz zu garantieren, sollten nur Sonnenschutzprodukte mit UVB und UVA Schutz gekauft werden.

 

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Irrtum Nr. 11: Sonnenschutzcremes sind bedenklich

Dieser Irrtum kann von zwei Seiten angeschaut werden. Zum einen vermitteln Sonnenschutzprodukte z.B. mit Begriffen wie „Sonnenblocker“ den Eindruck, man könne sich nach dem Auftragen beliebig lange in der Sonne aufhalten ohne jegliche Risiken für die Haut. In diesem Sinne könnten Sonnenschutzmittel tatsächlich dazu führen, dass sich Anwender mehr in der Sonne aufhalten und damit einen höheren Schaden für die Haut riskieren. Das Problem liegt objektiv gesehen jedoch nicht bei den Sonnschutzprodukten, sondern bei deren Anwendern.

Der andere Punkt, der immer wieder diskutiert wird, ist die Aussage, dass chemische Sonnenschutzfilter gesundheitsgefährdend sein können. Einige in-vitro-Untersuchungen lassen eine Mutation von Sonnenschutzmitteln im Zusammenhang mit UV Strahlung vermuten. Inwieweit diese Daten in vivo relevant sind, ist nicht bekannt.

Wer dieser Gefahr aus dem Weg gehen möchte,  kann physikalische/mineralische  Filter einsetzen (mikrofeines Zinkoxid/Titandioxid), welche auch für Babys und Kinder unbedenklich anzuwenden sind. Hier stösst man dann allerdings auf die Warnungen vor Nanopartikeln. Nationale und internationale Kommissionen haben wiederholt die diversen Bedenken überprüft und kein öffentliches Gesundheitsrisiko festgestellt. In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchen wurde belegt, dass Nanopartikel von Sonnenschutzprodukten auf der Hautoberfläche verbleiben und die Haut nicht durchdringen. Störend kann manchmal der sog „Weisseffekt“ sein. Bei fortschrittlichen Sonnenschutzprodukten ist dieser Effekt jedoch fast nicht mehr zu sehen.

Wie andere Kosmetika enthalten Sonnenschutzprodukte aber auch Duftstoffe, Konservierungsmittel, Antioxidantien und Emulgatoren. Diese können irritative, phototoxische oder auch (photo)allergische Reaktionen hervorrufen.

Fazit: Aus dermatologischer Sicht ist davon strikt abzuraten, Sonnschutzmittel einzusetzen, um sich länger in der Sonne aufhalten zu können. Wer den chemischen Lichtschutzfiltern aus dem Weg gehen möchte, setzt physikalische Filter ein.

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Irrtum Nr 12: Sonnenschutz führt zu Vitamin D Mangel

In den letzten Jahren hat sich unser Wissen über die Bedeutung des Vitamin-D-Stoffwechsels für den menschlichen Organismus wesentlich erweitert. Rund 90% des Vitamin-D-Bedarfs wird durch UVB-Strahlung vermittelte, körpereigene Herstellung in der Haut abgedeckt. Vor diesem Hintergrund liegt es deshalb nahe, dass wir unsere Haut ausreichend, aber dennoch massvoll der Sonne aussetzen sollten. Ein pragmatisches Vorgehen könnte bedeuten, dass man empfiehlt, sich jede Woche– auch bei weniger gutem Wetter– zwei bis drei Spaziergänge zu gönnen (über Tag versteht sich).

Neben der existenziellen Bedeutung der UVB-Strahlung für die körpereigene Vitamin-D-Synthese, ist die UV-Strahlung aber auch als wichtiges Karzinogen (krebserregend) für den Menschen anerkannt. In diesem Spannungsfeld wird in der Fach- wie in der Laienpresse die Frage diskutiert, ob und inwieweit der Sonnenschutz die Bildung von Vitamin D verhindert.

Vor rund 30 Jahren wurden Arbeiten mit kleinen Stichproben publiziert, die über eine Sonnenschutzmittel-bedingte Reduktion der Vitamin-D-Produktion berichten. Zwischen 1995 und 2008 wurden weitere Arbeiten mit grösseren Untersuchungskollektiven veröffentlicht, die über den Einfluss der Langzeitanwendung von Sonnenschutzmittel auf die Vitamin-D-Produktion berichten. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass bei Langzeitanwendung von Sonnenschutzmitteln keine Reduktion der Vitamin-D-Produktion erfolgt ist und dass bei gelegentlicher Anwendung das Risiko eines Vitamin D Mangels ebenfalls zu vernachlässigen ist.

Es gibt zudem weitere Argumente, die trotz Anwendung von Sonnenschutz für eine UV-B-vermittelte körpereigene Vitamin-D-Synthese sprechen: (1) Produkte mit SPF 50 und höher blockieren die UV-Strahlung nicht vollständig; (2) die erforderliche Menge (2mg/cm2) Sonnenschutzprodukt, um einen bestimmten Schutz zu gewährleisten (z.B. SPF30), wird im Alltag meist nicht aufgetragen; (3) beim Applizieren von Sonnenschutzprodukt bleiben viele Hautstellen unvollständig behandelt.

Fazit: Empfehlungen, den Sonnenschutz zu reduzieren oder nicht mehr anzuwenden, um die körpereigene Vitamin-D-Synthese nicht zu behindern, oder gar Solarien zu besuchen, um einen möglichen Vitamin-D-nagel abzuwenden, sind irreführend, falsch und gefährden einzig die Gesundheit.

 

 

 

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